Indexfonds gegen Stockpicking: 15 Jahre Daten, Ergebnis 5:0
Im Oktober 2025 geschah, was sich seit Jahren abzeichnete: Das in passiven Fonds verwaltete Vermögen (19,1 Billionen Dollar) überholte erstmals das aktiv verwaltete (16,2 Billionen Dollar). Was Finanzökonomen seit Jahrzehnten prognostizierten, ist nun Realität. Der Wettstreit zwischen Indexfonds und aktivem Stockpicking ist entschieden, und das Ergebnis fällt eindeutig aus.
Die SPIVA-Bilanz über 15 Jahre: ein Friedhof der Ambition
Die SPIVA Scorecard von S&P Dow Jones Indices ist das nüchternste Zeugnis der Fondsbranche. Sie dokumentiert systematisch, wie aktiv verwaltete Fonds gegenüber ihren Benchmark-Indizes abschneiden: Jahr für Jahr, Kategorie für Kategorie.
Die 15-Jahres-Zahlen sind ernüchternd. Laut den SPIVA-Daten zur Jahresmitte 2025 haben 92,5 Prozent aller globalen Aktienfonds den S&P World Index unterperformt. In der Kategorie US Large-Cap Equity, der meistbeachteten Fondskategorie weltweit, übertrafen nur 8 Prozent der aktiven Fonds ihre passive Benchmark über das vergangene Jahrzehnt. In keiner einzigen Aktienkategorie gelang es der Mehrheit der aktiven Manager, ihren Index zu schlagen.
Warum die Gewinner von gestern verschwinden
Vielleicht liegt die Lösung darin, die besten Fondsmanager auszuwählen? Die S&P Persistence Scorecard hat genau das untersucht. Von allen Large-Cap-Fonds, die 2022 im obersten Quartil lagen, hielt sich bis 2024 kein einziger dort. Null. Der statistische Zufall würde 6,25 Prozent erwarten lassen. Das tatsächliche Ergebnis: 0 Prozent.
Nur 9 Prozent der überdurchschnittlichen Large-Cap-Fonds aus 2022 blieben in beiden Folgejahren überdurchschnittlich. Wer einen Fonds anhand seiner Vergangenheitsperformance wählte, hatte statistisch bessere Chancen mit einem Münzwurf. Dieselben kognitiven Verzerrungen, die Renditen still und leise auffressen (Recency Bias, Selbstüberschätzung, Ankereffekt), verleiten Anleger dazu, den Spitzenreitern von gestern in die Mittelmäßigkeit von morgen zu folgen.
Die Kosten- und Steuerlücke: wo der Zinseszins brutal wird
Der Performanceunterschied ist nur die halbe Geschichte. Die Kostenlücke ist der Punkt, an dem kleine Prozentanteile zu lebensverändernden Beträgen werden.
Laut den Daten des Investment Company Institute von 2024 berechnen aktiv verwaltete Aktienfonds im Schnitt 0,64 Prozent pro Jahr. Indexfonds liegen bei 0,05 Prozent. Bei einem Portfolio von 100.000 Euro über zehn Jahre mit 8 Prozent jährlicher Rendite kostet allein diese Differenz rund 12.000 Euro an verlorenem Zinseszinseffekt.
Dann kommen die Steuern. Vanguards Untersuchung von 2025 ergab, dass aktive Investmentfonds über ein Jahrzehnt 1,9 Prozent jährlich an Steuern verloren, verglichen mit nur 0,7 Prozent bei Aktien-ETFs. Allein dieser Steuernachteil kostet bei 100.000 Euro Anlagesumme über zehn Jahre fast 30.000 Euro. Jede Transaktion, die ein Manager auf der Jagd nach Alpha tätigt, löst ein steuerpflichtiges Ereignis aus, das die reale Rendite still und leise schmälert.
Das Fünf-Dimensionen-Ergebnis
So fällt die Bilanz in jeder relevanten Kategorie aus:
Rendite: 92,5 Prozent der aktiven Fonds verloren über 15 Jahre. Punkt für passiv.
Gebühren: 0,05 Prozent gegenüber 0,64 Prozent, ein zwölffacher Kostenvorteil. Punkt für passiv.
Steuereffizienz: 0,7 Prozent jährlicher Steuerverlust gegenüber 1,9 Prozent. Punkt für passiv.
Konsistenz: Null Top-Quartil-Fonds hielten ihre Position über zwei Jahre. Selbst Privatanleger, die kaum recherchieren, tappen in dieselbe Falle und jagen vergangenen Gewinnern hinterher. Punkt für passiv.
Verhaltenspsychologie: Indexinvestieren beseitigt die ständige Versuchung zu handeln, den Markt zu timen oder das eigene Depot in Frage zu stellen. Aktives Investieren verstärkt jeden Verhaltensfehler, der Anleger Geld kostet. Punkt für passiv.
Endstand: 5 zu 0. Nicht einmal knapp.
Wann Stockpicking noch einen Sinn haben könnte
Die Daten bedeuten nicht, dass aktives Management überall wertlos ist. In weniger effizienten Märkten (Nebenwerte, Schwellenländer, Distressed Debt) finden erfahrene Manager gelegentlich echte Fehlbewertungen. Doch selbst dort unterperformt die Mehrheit über 15 Jahre. Und die Persistence Scorecard zeigt, dass niemand verlässlich identifizieren kann, welcher Manager in Zukunft überdurchschnittlich abschneiden wird. Manche Anleger setzen auf alternative Portfoliostrategien mit einem passiven Kern und taktischen Satellitenpositionen. Doch auch wenn Privatanleger gelegentlich die Wall Street übertreffen, bleibt dauerhaftes Stockpicking-Talent die Ausnahme, nicht die Regel.
Der einfachste nächste Schritt
Im Dezember 2025 zogen Anleger 86,1 Milliarden Dollar aus aktiven Fonds ab und investierten 162,8 Milliarden Dollar in einem einzigen Monat in Indexfonds. Die Umschichtung beschleunigt sich, weil die Beweislage inzwischen erdrückend ist: Für die große Mehrheit der Anleger, in der großen Mehrheit der Kategorien, über die große Mehrheit der Zeiträume gewinnen Indexfonds.
Wählen Sie einen kostengünstigen Indexfonds, automatisieren Sie Ihre Einzahlungen und tun Sie nichts weiter. 15 Jahre Daten zeigen, dass die Profis, die Gebühren für das Schlagen des Marktes verlangen, dies fast nie schaffen.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Wenden Sie sich an einen qualifizierten Finanzberater, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.
Weiterführende Artikel:
Quellen und Referenzen
- S&P Dow Jones Indices (SPIVA U.S. Mid-Year 2025) — 92.5% of global equity funds underperformed the S&P World Index over 15 years.
- S&P Global (U.S. Persistence Scorecard Year-End 2024) — Zero top-quartile large-cap funds from 2022 maintained their ranking through 2024.
- Morningstar — Only 8% of U.S. large-cap active funds survived and beat their passive benchmark over a decade.
- Investment Company Institute (ICI) — Average index fund expense ratio: 0.05% vs 0.64% for active equity funds.
- Vanguard Research (August 2025) — Active mutual funds lost 1.9% annually to taxes vs 0.7% for equity ETFs.
Erfahren Sie mehr über unsere redaktionellen Standards →


