Der Steuerfehler, der 312.000 Dollar kosten kann

Der Steuerfehler, der 312.000 Dollar kosten kann

·4 Min. LesezeitGeld und Investitionen

Wer in den USA 150.000 Dollar oder mehr verdient und weiterhin den gesamten 401(k) vor Steuern bespart, folgt moglicherweise einer Regel, die 2026 nicht mehr sauber aufgeht. Der Standardsatz lautete lange: Im Ruhestand werde die Steuerbelastung niedriger sein. Genau diese Annahme ist fur viele Gutverdiener inzwischen fragwurdiger geworden.

Die One Big Beautiful Bill Act machte die sieben Steuerklassen der TCJA-Reform dauerhaft und erhohte bestimmte Schwellen fur 2026 inflationsbedingt. Laut Tax Foundation reicht die 24-Prozent-Klasse fur gemeinsam veranlagte Ehepaare nun bis 394.600 Dollar, die 32-Prozent-Klasse bis 501.050 Dollar. Aus deutscher Sicht sind das keine ubertragbaren Betrage, sondern US-Steuerrecht. Die Logik dahinter ist dennoch relevant: Wenn der spatere Grenzsteuersatz nicht deutlich sinkt, verliert der Steueraufschub seinen Vorteil.

Der Ruhestandsmythos braucht neue Zahlen

Ein klassischer 401(k) ist vor allem dann uberlegen, wenn der Grenzsteuersatz bei der Entnahme deutlich niedriger ist als heute. Ein Haushalt mit 200.000 Dollar Einkommen, der den vollen Beitrag leistet, spart aktuell 24 Cent Steuer pro Dollar. Der vom IRS bestatigte Beitragsrahmen fur 2026 liegt bei 24.500 Dollar.

Im Ruhestand kann diese Rechnung jedoch kippen. Wer mit etwa 1,6 Millionen Dollar aus steuerpflichtigen Anlagen, steueraufgeschobenen Konten und Social Security in Rente geht, kann durch Mindestausschuttungen, Dividenden und Rentenzahlungen wieder in der 24-Prozent-Klasse landen. Dann gibt es kaum noch Arbitrage zwischen heute und morgen. Man hat die Steuer nicht vermieden, sondern lediglich vertagt.

Warum aus Aufschub ein teurer Irrtum werden kann

Beim Roth 401(k) wird die Reihenfolge umgedreht. Die Einzahlung erfolgt nach Steuern, qualifizierte Entnahmen sind dafur steuerfrei. Fur einen jungen Gutverdiener, der 30 Jahre lang 24.500 Dollar pro Jahr in Roth statt in den klassischen 401(k) einzahlt, kann sich bei sieben Prozent realer Rendite ein Vorteil von rund 312.000 Dollar an verfugbarem Nettovermogen mit 65 ergeben.

Das ist keine Prognose, sondern ein Szenario. Es hangt von Rendite, Beitragsdauer, Steuerklassen und politischen Entscheidungen ab. Gerade deshalb ist die Aussage interessant: Sobald der Steuersatz im Ruhestand nur ungefahr in derselben Region liegt wie heute, wird der vermeintlich sichere Vorteil des klassischen 401(k) deutlich kleiner.

Ausgerechnet hohe Einkommen nutzen Roth seltener

Eine Studie des NBER von Beshears, Choi, Laibson und Madrian untersuchte zwolf grosse Unternehmen, die Roth-401(k)-Optionen einfuhrten. Bei neu eingestellten Mitarbeitern zeigte sich eine negative Korrelation zwischen Gehalt und Roth-Nutzung. Je hoher das Einkommen, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, den Roth-Baustein zu wahlen.

Nur 8,6 Prozent aller Teilnehmer nutzten Roth im ersten Jahr. Das ist bemerkenswert, weil genau die Gruppe mit hoherem Einkommen oft am meisten von heutigen bekannten Steuersatzen profitieren konnte. Verhaltensokonomisch ist das wenig uberraschend: Voreinstellungen, Bequemlichkeit und die vertraute Annahme niedrigerer Steuern im Alter schlagen regelmassig die eigene Tabellenkalkulation.

Die 2026-Regel fur altere Gutverdiener

Fur Beschaftigte ab 50 Jahren kommt eine zusatzliche Anderung hinzu. Wenn die FICA-pflichtigen Lohne des Vorjahres uber 150.000 Dollar lagen, mussen Catch-up-Beitrage ab dem 1. Januar 2026 in den Roth-Baustein fliessen. Der zusatzliche Beitrag von 8.000 Dollar ist dann nicht mehr abzugsfahig. Bei diesem Teil hat der Gesetzgeber die Entscheidung bereits getroffen.

Offen bleibt die Frage, was mit dem regulären Beitrag von 24.500 Dollar geschieht. Hier unterscheidet sich der Roth 401(k) deutlich vom Roth IRA. Die IRS-Vergleichsubersicht zeigt, dass fur designated Roth 401(k)-Beitrage keine Einkommensgrenze gilt. Fur viele Gutverdiener ist der Arbeitgeberplan damit die einzige breite Roth-Tur, die offen bleibt.

Eine bessere Regel als die Standardantwort

Die entscheidende Frage lautet: Erwarten Sie, dass Ihr Grenzsteuersatz im Ruhestand nach Mindestausschuttungen, Social Security und moglichen Pensionszahlungen mindestens vier Prozentpunkte niedriger liegt als heute? Wenn die Antwort nicht klar ja lautet, ist ein Roth-Anteil zumindest mathematisch gut begrundbar.

Das ist keine individuelle Finanzberatung. Bundesstaatliche Steuern, Arbeitgeberzuschusse, Nachlassplanung und Wohnsitzfragen konnen das Ergebnis verandern. Sinnvoll ist deshalb eine Modellrechnung mit einem Steuerberater, der auch Verhaltensfehler einbezieht, denn klugere Anleger nutzen Evidenz statt Bauchgefuhl. Eine 50/50- oder 70/30-Aufteilung kann fur viele Haushalte plausibler sein als eine Alles-oder-nichts-Entscheidung.

Der wichtigste Punkt ist banal, aber wirksam: Lassen Sie nicht die Voreinstellung des Portals entscheiden. Im Beitragsjahr 2026 konnen zwanzig Minuten Prufung mehr wert sein als eine alte Faustregel.

Quellen und Referenzen

  1. IRS
  2. NBER (Beshears, Choi, Laibson, Madrian)
  3. Tax Foundation
  4. IRS Roth Comparison Chart

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